FB02 Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften · 3 CP (aus SWS geschätzt) · Angeboten in WiSe 2026/27, SoSe 2026
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„Staat“ und „Nation“ sind im alltäglichen und politischen Sprachgebrauch so eng aufeinander bezogen, dass sie beinahe austauschbar erscheinen. Wenn von internationalen Beziehungen gesprochen wird, sind (traditionellerweise) die Beziehungen zwischen Staaten gemeint; die „nationale Ebene“ der Politik (in Differenz etwa zur lokalen oder kommunalen Ebene) bezeichnet gesamtstaatlichen Institutionen und Arenen. Diese Identifikation von souveränem Staat und Nation führt zudem dazu, dass zumeist der „Nationalstaat“ modernen Typs gemeint ist, wenn vom „modernen Staat“ gesprochen wird. Dennoch gehen beide Begriffe nicht ineinander auf. Die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts insbesondere in Vielvölkerstaaten wie Österreich oder Russland diskutierte „Nationalitätenfrage“ ebenso wie heutige Diskussionen über „supranationale Staatlichkeit“ zeigen, dass Staat und Nation keineswegs „natürlich“ zusammengehören, sondern ihre Verbindung einer spezifischen historischen Konstellation angehört. Was in diesem Zusammenhang unter „Nation“ zu verstehen ist und welche Rolle sie für den modernen Staat und die kapitalistische Produktionsweise mit ihrer konstitutiven Klassenspaltung spielt, ist dabei hochumstritten. Die Spannbreite reicht von ethnisch-kulturellen Identitätskonzepten bis zu nüchternen politisch-ökonomischen Strukturbegriffen. Dem Politikwissenschaftler Benedict Anderson zufolge handelt es sich freilich bei allen Spielarten „des Nationalen“ um „imaginäre Gemeinschaften“ (Anderson 1988). Das Seminar nähert sich dem Verhältnis von „Nation“ und „Staat“ begrifflich und historisch. Dabei werden unterschiedliche Konzepte der Nation ebenso behandelt wie staatskritische Perspektiven. Gerade in einer Zeit, in der über Prozesse der „Deglobalisierung“ ebenso diskutiert wird wie über eine Rückkehr nationalistischer Programme und Bewegungen, könnte sich, so die dem Seminar zugrundeliegende These, eine solche Bestandsaufnahme auch in zeitdiagnostischer Hinsicht lohnen.
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