FB03 Humanwissenschaften · Angeboten in SoSe 2026
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Organisationen in Leistungssport, Massenmedien und Wirtschaft verfolgen nicht primär ethisch-moralische Ziele; sie orientieren sich an der „höheren Amoralität“ (Luhmann) ihrer Systemlogik. Folglich richten sie ihre Entscheidungsprämissen an der Produktion sportlicher Erfolge, Steigerung von Einschaltquoten und Auflagenzahlen oder Maximierung wirtschaftlicher Gewinne aus und motivieren ihre Mitglieder zu konformem Verhalten. Im Zusammenhang dieser sporttypischen Akteurskonstellation wird somit nicht der Mensch zum Maß aller Dinge erhoben oder die Summe des Glücks aller Menschen vermehrt – auch wenn sich viele Zuschauer für die (Vorder-)Bühne des Sports begeistern. Gerade auf der Hinterbühne von Sportorganisationen entstehen oft transintentionale Effekte und nicht-beabsichtigte Folgen wie Doping, „playing hurt“ oder sexualisierte Gewalt, die aus ethisch-moralischer Sicht als äußerst problematisch gelten und die gesellschaftliche Legitimation des Sports und seiner Leistungsträger signifikant beeinträchtigen können. Sportorganisationen müssen zudem nicht nur die Kollateralschäden ihrer Selbstbezüglichkeit managen. Auch darüber hinaus sollen sie gesellschaftliches Engagement zeigen, Verantwortung übernehmen, die Demokratie fördern, gegen Extremismus einstehen und für positiv besetzte Werte wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Kinder- und Menschenrechte oder soziale Gleichheit eintreten. Inwiefern korporative Akteure im Sport diese Erwartung nicht nur vordergründig erfüllen, bleibt indes fraglich. Im Seminar werfen wir eine amoralische Sichtweise auf verschiedene Fragen einer Organisationsethik im Sport. Wir gehen davon aus, dass es keine einfachen Lösungen für komplexe Moralprobleme gibt und angemessene Lösungen ohne soziologische Reflexion unwahrscheinlich sind.
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