FB15 Architektur · Angeboten in SoSe 2026, WiSe 2025/26
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https://www.architektur.tu-darmstadt.de/atw/lehre_atw/lehre_verteiler.de.jsp Architektur der Überwachung – von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft Überwachungsarchitekturen umfassen sowohl physische als auch digitale Strukturen, die darauf ausgelegt sind, Verhalten zu erfassen und zu kontrollieren. Vom historischen Panopticon – Jeremy Benthams „perfektem Gefängnis“ mit zentralem Turm und uneinsehbarer Beobachtungsposition – bis hin zu moderner „defensiver Architektur“ im urbanen Raum beeinflussen sie durch ständige oder vermutete Überwachung das Handeln. Digitale Überwachung (Kameras, Datensammlung) erweitert dies zu einem digitalen Panoptikum. Architektur spielt dabei eine zentrale Rolle als raum- und strukturgebendes Medium, das sowohl bestimmte Typologien (Gefängnis, Lager) hervorbringt als auch menschliches Verhalten (Gewohnheiten, ritualisierte Abläufe) steuert. Im Seminar beleuchten wir historische und gegenwärtige Kernaspekte unter Berücksichtigung ihrer Funktionalität und Gestaltung. Im Panoptismus sieht Michel Foucault das Fundament der modernen Überwachungstheorie: Ein zentraler Beobachter überwacht viele Insassen, ohne dass diese wissen, ob sie gerade beobachtet werden. Dies führt zur Selbstdisziplinierung. Gilles Deleuze konzeptioniert ergänzend den philosophischen Übergang von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft. Kontrolle durch Design ist heute besonders im öffentlichen Raum präsent, der zunehmend von „defensiver Architektur“ (auch: „hostile architecture“) durchzogen ist. Ziel ist es, unerwünschtes Verhalten wie den Aufenthalt von Obdachlosen oder Skatern durch bauliche Maßnahmen zu verhindern – etwa durch schräge Sitzflächen, Trennbügel auf Bänken oder Metalldornen auf Mauersimsen. Durch digitale Überwachung, den Einsatz von Überwachungskameras (CCTV), systematische Datenerfassung (Data-Mining) und Smart-City-Technologien werden öffentliche Räume zudem in permanent überwachbare Zonen verwandelt. Die Verschmelzung von physischer Umgebung und staatlichen Datenauswertungssystemen (z. B. soziale Kreditsysteme) erzeugt eine lückenlose Überwachungsinfrastruktur. Architektur der Überwachung bezeichnet somit sowohl eine physische Bauweise als auch ein politisches Instrument zur Kontrolle und Regelung des sozialen Lebens.
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